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Ein Aufstand für mehr Menschlichkeit

Während buddhistische Mönche in Birma friedlich demonstrieren, wurde den katholischen Geistlichen eine Mitwirkung verboten

 

Die Militärregierung von Birma hat in der vergangenen Woche damit begonnen, die friedlichen Proteste gewaltsam aufzulösen. Die Demonstranten bekunden ihren Unmut über die Verteuerung der Energiepreise um 500 Prozent. An der Spitze der Protestbewegung steht eine große Schar buddhistischer Nonnen und Mönche. Ihr Vorbild mobilisiert das Volk, gegen die Unterdrückung zu demonstrieren. Unterdessen haben die Bischöfe Birmas zu Frieden und Gebet aufgerufen. Den katholischen Priestern des Landes schärften sie aber ein, dass eine Mitwirkung bei den Protesten laut Kirchenrecht für Kleriker verboten sei. Warum diese Haltung? Stützt man damit nicht indirekt das Terrorregime?

Die Bischöfe von Birma wollen mit ihrer Erklärung die Gläubigen und Priester im Land vor staatlicher Verfolgung schützen. Unzählige buddhistische Mönche wurden vergangenen Donnerstag und Freitag bei Demonstrationen verhaftet oder gewaltsam aus ihren Klöstern geholt und abtransportiert. Ihre Zukunft ist ungewiss, einen fairen Prozess wird es wohl kaum geben, Strafvollzug gemäß den Menschenrechten wohl auch nicht. Eines ist sicher: Es wird eine grausame Zeit für sie, die durchaus mit Folter und Tod enden kann. Davor wollen die katholischen Bischöfe des Landes ihre Gemeinden bewahren. Insofern ist der Ruf zu Frieden und Gebet verständlich.

Unverständlich ist aber, warum sich die Kirche nicht für die arme und unterdrückte Bevölkerung einsetzt. Mit ihrer Haltung fördert sie indirekt den Bestand des Regimes. Sicherlich führen katholische Geistliche und Diplomaten zahlreiche Vermittlungsgespräche und versuchen mit Hilfslieferungen, die Lage zu verbessern. Aber wie will man mit einer Militärjunta verhandeln, die nur darauf aus ist, ihre Macht zu sichern und das Volk in Schach zu halten? Es braucht in diesem Fall Protest. Am eindrucksvollsten sind friedliche Demonstrationen von Hunderttausenden.

Darunter sollten auch katholische Geistliche sein. Das Kirchenrecht, das laut den Bischöfen eine Mitwirkung verbietet, spricht nur von der Mitwirkung in politischen Parteien. Über Demonstrationen steht nichts geschrieben.

Bemerkenswert ist der Canon, der die aktive Teilnahme an politischen Parteien verbietet. Er besteht bewusst aus zwei Paragraphen, die durch die Einordnung in einen Canon zusammenhängen und die man nicht voneinander trennen sollte. Canon 287 Paragraph 1 schreibt: „Die Kleriker haben die Bewahrung von Frieden und Eintracht, die auf Gerechtigkeit beruhen, unter den Menschen so weit als möglich immer zu fördern.“ Niemand wird bestreiten, dass der Frieden und die Eintracht in Birma nicht auf Gerechtigkeit beruhen. Es herrscht Ungerechtigkeit, Unterdrückung und soziale Ausbeute. Insofern müssten die Geistlichen eigentlich einschreiten, damit eben Frieden werde, der auf Gerechtigkeit gründet.

Pragraph 2 macht zudem die Ausnahme, dass aktive Teilnahme an politischen Parteien dann erlaubt ist, wenn „nach dem Urteil der zuständigen kirchlichen Autorität [...] die Rechte der Kirche zu schützen oder das allgemeine Wohl zu fördern“ sind. Die Förderung des allgemeinen Wohls ist das Gebot der Stunde. Wie wird die Bevölkerung die Niederschlagung dieses Aufstandes überleben? Wenn jetzt durch den Druck des Volkes, durch internationale Interventionen und kluge Verhandlungen keine verbindlichen Verbesserungen für das Volk herausgehandelt werden, stehen die Menschen Birmas vor einer erneuten Katastrophe voller Armut und Leid.

Es geht letztlich auch darum, die Rechte der Kirche zu schützen. Denn ein Grund dafür, warum die buddhistischen Mönche demonstrieren, ist, dass sie nach dem letzten Aufstand 1988 vom Staat systematisch entrechtet, gleichgeschaltet und unterdrückt wurden. Dies könnte auch der katholischen Kirche Birmas bevorstehen.

Bei aller Bedrohung für die Kirche in Birma bleibt ein Hoffnungsfunke: Die friedlichen Demonstrationen von 1989 gegen die Unterdrückung durch das DDR-Regime führten die Wende und die deutsche Wiedervereinigung herbei. Unter den Demonstranten waren viele Gläubige und Pfarrer beider Konfessionen.

Sebastian Pilz
Redaktion kath.de, 28.09.2007